Literaturepoche: Sturm und Drang

Der Sturm und Drang (ca. 1765–1785) markiert den Aufbruch einer jungen Schriftstellergeneration gegen die rationalistische Ordnung der Aufklärung und legt damit den Grundstein für die spätere Entwicklung der Weimarer Klassik. Diese Lektion vermittelt die zentralen geistesgeschichtlichen und ästhetischen Merkmale der Epoche: den Einfluss des Irrationalismus, der Gefühl und Subjektivität als Gegenpol zur reinen Vernunft betont, sowie die sogenannte Genieästhetik, die das schöpferische Individuum von festen Regeln befreit und seine originäre Ausdruckskraft in den Mittelpunkt stellt.

Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Rolle Johann Gottfried Herders, der mit seinen Ideen zu Sprache, Volk und Geschichte die theoretische Grundlage der Bewegung lieferte, sowie auf der besonderen Auffassung der Natur: Sie wird nicht als geordnetes System, sondern als beseeltes Gegenüber und Ausdruck göttlicher Kraft begriffen — ein Motiv, das sich deutlich von der späteren klassischen Naturauffassung unterscheidet. Auch die Auflehnung gegen Autoritäten wird vertieft: die Ablehnung absolutistischer Strukturen, gesellschaftlicher Konventionen und ständischer Bevormundung prägt zahlreiche Werke der Epoche, allen voran Schillers frühes Drama "Die Räuber", das den Konflikt zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Ordnung thematisiert.

Die sprachlichen Besonderheiten der Epoche werden ebenfalls behandelt: eine emotional aufgeladene, oft unkonventionelle Syntax löst die geregelte Sprache der Aufklärung ab und spiegelt den "Gefühlskult" wider, der das subjektive, emotionale Erleben aufwertet. Der Begriff des "Originalgenies" wird als Schlüsselkonzept eingeführt — ein Künstler, der seine eigenen schöpferischen Gesetze schafft, anstatt sich an tradierten Regeln zu orientieren.

Nach dieser Lektion können Lernende die zentralen Merkmale des Sturm und Drang benennen, seine historische und geistesgeschichtliche Einordnung vornehmen und die Epoche klar von der vorangegangenen Aufklärung sowie der nachfolgenden Weimarer Klassik abgrenzen.

  • Die Genieästhetik des Sturm und Drang und ihre Abkehr von aufklärerischen Regeln erklären
  • Herders Bedeutung für die theoretische Grundlegung der Epoche einordnen
  • Die besondere Naturauffassung des Sturm und Drang von der klassischen Naturauffassung unterscheiden
  • Die Motive der Autoritätskritik anhand zentraler Werke (z.B. Schillers 'Die Räuber') nachvollziehen
  • Sprachliche Merkmale des Gefühlskults und das Konzept des 'Originalgenies' erläutern

Kernaussage der Epoche: Die Stürmer und Dränger lehnten absolutistische Strukturen, gesellschaftliche Konventionen und die Bevormundung durch den Adel ab und stellten dem rationalistischen Weltbild der Aufklärung ein subjektives, gefühlsbetontes Menschenbild entgegen.

Beispielfrage

Welche philosophische Strömung beeinflusste den Sturm und Drang maßgeblich durch die Betonung der Subjektivität und die Abkehr vom rein rationalistischen Weltbild der Aufklärung?

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Der Irrationalismus

Der Sturm und Drang lehnte die einseitige Vernunftbetonung der Aufklärung ab und betonte stattdessen das Gefühl und das Individuum, was dem Irrationalismus nahesteht.

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