Der Zeitungskommentar ist eine zentrale Textsorte der Sachtextanalyse im Deutsch-Abitur und unterscheidet sich grundlegend von der objektiven Nachricht: Während die Nachricht rein sachlich über ein Ereignis informiert, vertritt der Kommentar explizit eine subjektive Meinung des Autors zu einem aktuellen Thema. Diese Lektion arbeitet diesen Unterschied anhand konkreter Textbeispiele heraus und schärft den Blick für die sprachlichen Mittel, mit denen Kommentare Leserinnen und Leser von einer Position überzeugen wollen.
Im Zentrum steht die Analyse wertender sprachlicher Mittel: rhetorische Fragen, bildhafte Sprache (etwa Metaphern wie "Schlag ins Gesicht"), pointierte Adjektive und emotional aufgeladene Begriffe wie "Schönfärberei" werden als typische Werkzeuge der Meinungsbildung identifiziert. Lernende üben, solche Signale in einem Text zu erkennen und von rein informativen, neutralen Formulierungen abzugrenzen — eine Kompetenz, die auch für die kritische Mediennutzung außerhalb der Schule relevant ist.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau eines Kommentars: Die Einleitung weckt das Interesse und etabliert die zentrale These, der Hauptteil führt Argumente und Gegenargumente an, um die eigene Position zu stärken, und der Schluss bündelt die Position in einem Fazit oder Appell, der den Leser zum Handeln oder Nachdenken bewegen soll. Zudem wird der Kommentar von verwandten Textsorten abgegrenzt: von der Glosse, die sich durch einen satirischen, ironischen und überspitzten Stil auszeichnet, und vom Bericht, der Hintergrundinformationen liefert, ohne eine explizite Meinung zu vertreten.
Anhand kurzer, selbst erfundener Textausschnitte wird geübt, eine gegebene Passage einer Textsorte zuzuordnen und die dahinterliegende kommunikative Absicht zu benennen. Nach dieser Lektion können Lernende Zeitungskommentare in ihrer sprachlichen Gestaltung und argumentativen Struktur präzise analysieren und von Nachricht, Bericht und Glosse unterscheiden.
Beispielhafte Aufgabenstellung: "Während die offizielle Statistik einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 0,5 Prozent meldet, verschweigt sie die wachsende Zahl der Langzeitarbeitslosen, die aus dem System gefallen sind. Es ist an der Zeit, diese Schönfärberei zu beenden." — Analyse: wertende Begriffe wie "Schönfärberei" und ein direkter Appell kennzeichnen den Textabschnitt eindeutig als Kommentar, nicht als Nachricht.
Ein Textabschnitt lautet: 'Während die offizielle Statistik einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 0,5 Prozent meldet, verschweigt sie die wachsende Zahl der Langzeitarbeitslosen, die aus dem System gefallen sind. Es ist an der Zeit, diese Schönfärberei zu beenden.' Welches Merkmal des Kommentars zeigt sich hier primär?
Subjektive Wertung und Appellcharakter
Der Text nutzt wertende Begriffe wie 'Schönfärberei' und fordert zum Handeln auf ('Es ist an der Zeit'), was typisch für die subjektive Meinungsäußerung eines Kommentars ist.
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