Diese Lektion führt in die Wechselstromlehre ein und verbindet die zuvor behandelten Konzepte von Kondensator, Spule und Induktion zu einem zusammenhängenden Bild. Ausgangspunkt ist das Phasenverhalten: Beim idealen Kondensator eilt der Strom der Spannung um 90° voraus, bei der idealen Spule hinkt er um 90° hinterher — eine Unterscheidung, die mathematisch über die Ableitung bzw. das Integral der Sinusspannung hergeleitet wird und häufig verwechselt wird.
Der Effektivwert wird als die Gleichspannung definiert, die an einem ohmschen Widerstand dieselbe thermische Leistung erzeugt wie die Wechselspannung, und an einer konkreten Netzspannung ($\hat{U} = 325$ V) exakt berechnet ($U_{eff} = \hat{U}/\sqrt{2} \approx 229{,}8$ V). Die Impedanz einer Reihenschaltung aus ohmschem Widerstand und Spule wird über die geometrische Addition $Z = \sqrt{R^2 + X_L^2}$ berechnet, ebenso der ohmsche Anteil bei bekanntem Phasenwinkel über $R = Z \cdot \cos\varphi$.
Ein eigener Themenblock behandelt die Frequenzabhängigkeit der Blindwiderstände: Während der induktive Blindwiderstand $X_L$ mit der Frequenz zunimmt, nimmt der kapazitive Blindwiderstand $X_C$ ab — ein gegensätzliches Verhalten, das bei der Resonanz eines Reihenschwingkreises kulminiert, wo sich beide Blindwiderstände gerade aufheben und die Impedanz minimal (gleich $R$) wird, während der Strom maximal wird.
Wirkleistung, Blindleistung und Scheinleistung werden begrifflich sauber getrennt: Nur die Wirkleistung entspricht tatsächlich umgesetzter Energie, während eine ideale Spule oder ein idealer Kondensator keine Wirkleistung verbraucht. Die zehn Fragen verlangen sowohl exaktes Rechnen mit komplexen Widerständen als auch ein intuitives Verständnis der Phasenbeziehungen — ein Thema, das im Abitur regelmäßig sowohl in der Elektrotechnik als auch in fächerübergreifenden Aufgaben zur Signalverarbeitung auftaucht.
Themenbereich: Wechselstrom-Grundlagen — Phasenverschiebung bei Kondensator und Spule, Effektivwert, Impedanz einer Reihenschaltung, Frequenzabhängigkeit der Blindwiderstände $X_L$ und $X_C$, Wirk-/Blind-/Scheinleistung, Resonanz im Reihenschwingkreis. 10 Fragen, Rechen- und Konzeptaufgaben auf Abiturniveau.
Ein idealer Kondensator mit der Kapazität $C$ wird an eine Wechselspannung $u(t) = \hat{U} \cdot \sin(\omega t)$ angeschlossen. Welcher Ausdruck beschreibt den zeitlichen Verlauf des Stroms $i(t)$?
$i(t) = \hat{U} \cdot \omega C \cdot \sin(\omega t + \frac{\pi}{2})$
Für einen Kondensator gilt $i(t) = C \cdot \frac{du}{dt}$. Mit $u(t) = \hat{U} \sin(\omega t)$ ergibt sich $i(t) = C \cdot \hat{U} \cdot \omega \cos(\omega t)$. Da $\cos(\omega t) = \sin(\omega t + \frac{\pi}{2})$, ist die korrekte Antwort $i(t) = \hat{U} \cdot \omega C \cdot \sin(\omega t + \frac{\pi}{2})$.