Die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 war das Ergebnis eines jahrzehntelangen Prozesses der politischen Einigung, der maßgeblich von Otto von Bismarck geprägt wurde. Diese Lektion behandelt Bismarcks berühmte Politik der "Blut und Eisen" — seine Überzeugung, dass die deutsche Einigung nicht durch Reden und Mehrheitsbeschlüsse, sondern durch militärische Stärke und wirtschaftliche Macht erreicht werden würde.
Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 bildete den entscheidenden letzten Schritt auf diesem Weg. Ausgelöst durch die Krise um die spanische Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen und die geschickt inszenierte "Emser Depesche", führte der Krieg zu einem schnellen Sieg der deutschen Staaten unter preußischer Führung. Der Sieg über Frankreich löste eine Welle nationaler Begeisterung aus und festigte Preußens dominante Stellung in Deutschland.
Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles — symbolträchtig im besiegten Frankreich — das Deutsche Kaiserreich proklamiert. Die Lektion untersucht die politische Struktur des neuen Staates: einen Bundesstaat mit dem preußischen König als Deutschem Kaiser, einem vom Volk gewählten Reichstag (mit allgemeinem Männerwahlrecht, was für die damalige Zeit fortschrittlich war) und einem Bundesrat, der die Interessen der einzelnen deutschen Staaten vertrat. Der Reichskanzler war dabei allein dem Kaiser, nicht dem Parlament verantwortlich — das Kaiserreich war somit keine parlamentarische Demokratie im heutigen Sinne.
Die sogenannte "Kleindeutsche Lösung" — die Einigung Deutschlands unter Ausschluss Österreichs — sowie Bismarcks außenpolitisches Ziel, nach der Reichsgründung den Status quo zu sichern und feindliche Koalitionen zu verhindern, runden das Bild dieser zentralen Epoche deutscher Geschichte ab.
Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich proklamiert — der preußische König Wilhelm I. wurde zum Deutschen Kaiser ausgerufen, ein Bundesstaat mit Kaiser, Reichskanzler, Reichstag und Bundesrat entstand.
Welche politische Strategie verfolgte Otto von Bismarck, um die deutsche Einigung unter preußischer Führung voranzutreiben?
Die Politik von 'Blut und Eisen' durch militärische Stärke
Bismarcks Rede von 1862 betonte, dass die großen Fragen der Zeit nicht durch Reden oder Mehrheitsbeschlüsse, sondern durch 'Eisen und Blut' entschieden werden.
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