Weimarer Republik – Gründung und Krisen

Die Weimarer Republik (1918–1933) war Deutschlands erster Versuch einer parlamentarischen Demokratie — geboren aus der Novemberrevolution 1918, die mit der Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann am 9. November 1918 den Übergang von der Monarchie zur Republik markierte. Diese Lektion untersucht sowohl die demokratischen Errungenschaften als auch die strukturellen Schwächen dieser jungen Staatsform.

Die Weimarer Verfassung übertrug die Gesetzgebung dem direkt gewählten Reichstag, gab dem Reichspräsidenten jedoch weitreichende Befugnisse — darunter die Auflösung des Reichstags und, besonders bedeutsam, das Notverordnungsrecht nach Artikel 48. Diese Bestimmung sollte sich in Krisenzeiten als zweischneidiges Schwert erweisen: einerseits ein Instrument zur Krisenbewältigung, andererseits eine Hintertür zur Aushöhlung der parlamentarischen Kontrolle.

Von Beginn an war die Republik schwer belastet: Der Versailler Vertrag mit seinen Reparationsforderungen und der Kriegsschuldklausel wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als Diktat empfunden. Die Hyperinflation von 1923 — befeuert durch die massive Geldvermehrung zur Finanzierung des passiven Widerstands im besetzten Ruhrgebiet — vernichtete die Ersparnisse des Mittelstandes und erschütterte das Vertrauen in den jungen Staat nachhaltig.

Die Lektion behandelt zudem strukturelle Ursachen der politischen Instabilität: Das Verhältniswahlrecht führte zu einer starken Zersplitterung des Parlaments, was stabile Koalitionsregierungen erschwerte. Hinzu kam, dass viele Vertreter der alten Eliten in Justiz, Militär und Verwaltung monarchistisch geprägt blieben und der neuen demokratischen Ordnung distanziert bis ablehnend gegenüberstanden — ein Faktor, der die Republik in ihren späteren Krisenjahren zusätzlich schwächte.

  • Die Novemberrevolution 1918 und die Ausrufung der Republik als historische Zäsur einordnen können
  • Grundzüge der Weimarer Verfassung, insbesondere die Rolle des Reichspräsidenten und Artikel 48, erklären können
  • Die Belastung der Republik durch den Versailler Vertrag nachvollziehen können
  • Ursachen und Folgen der Hyperinflation 1923 beschreiben können
  • Strukturelle Ursachen der politischen Instabilität der Weimarer Republik benennen können

Artikel 48 der Weimarer Verfassung gab dem Reichspräsidenten das Recht, in Krisenzeiten per Notverordnung zu regieren — ein Instrument, das ursprünglich der Krisenbewältigung dienen sollte, aber die parlamentarische Kontrolle erheblich schwächen konnte.

Beispielfrage

Welches Ereignis markierte im November 1918 den Übergang von der Monarchie zur Republik in Deutschland?

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Die Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann

Am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstags die Republik aus, kurz nachdem Kaiser Wilhelm II. abgedankt hatte.

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