Diese Lektion behandelt den Welle-Teilchen-Dualismus — das Konzept, dass Materie und Licht je nach Experiment sowohl Wellen- als auch Teilcheneigenschaften zeigen. Zentral ist die De-Broglie-Wellenlänge $\lambda = h/p$, die jedem Teilchen mit Impuls $p$ eine Wellenlänge zuordnet. An einem konkreten Beispiel wird berechnet, welche Wellenlänge ein durch eine Spannung von 100 V beschleunigtes Elektron besitzt (~0,12 nm), und wie sich diese Wellenlänge bei Verdopplung der Geschwindigkeit ändert — sie halbiert sich, da $\lambda$ umgekehrt proportional zu $v$ ist.
Das Doppelspaltexperiment mit Elektronen bildet den konzeptionellen Kern: Auch einzelne Elektronen bauen über die Zeit ein Interferenzmuster auf, dessen Wahrscheinlichkeitsverteilung durch das Quadrat der Wellenfunktion gegeben ist. Besonders geprüft wird der Effekt einer Wegmessung: Sobald detektiert wird, durch welchen Spalt ein Elektron fliegt, kollabiert die Wellenfunktion und das Interferenzmuster verschwindet — eine der überraschendsten Konsequenzen der Quantenmechanik.
Bohrs Komplementaritätsprinzip wird als übergeordnetes Ordnungsprinzip eingeführt: Wellen- und Teilchenbild schließen sich gegenseitig aus, sind aber beide notwendig, um Quantenobjekte vollständig zu beschreiben. Die Heisenbergsche Unschärferelation wird als fundamentale Eigenschaft behandelt, nicht als Messungenauigkeit. Auch die Elektronenbeugung an Kristallgittern (Bragg-Reflexion) wird als experimenteller Nachweis der Materiewellen besprochen, inklusive der notwendigen Bedingungen für konstruktive Interferenz.
Die zehn Fragen verbinden quantitative Berechnungen der De-Broglie-Wellenlänge mit konzeptionellem Verständnis der Interferenzphänomene — ein Thema, das im Abitur die Brücke zwischen klassischer und moderner Physik schlägt.
Themenbereich: Welle-Teilchen-Dualismus — De-Broglie-Wellenlänge, Doppelspaltexperiment mit Elektronen, Effekt der Wegmessung auf Interferenz, Komplementaritätsprinzip nach Bohr, Heisenbergsche Unschärferelation, Elektronenbeugung/Bragg-Reflexion. 10 Fragen, Rechen- und Konzeptaufgaben auf Abiturniveau.
Ein Elektron wird in einem elektrischen Feld aus der Ruhe heraus durch eine Spannung von $U = 100 \text{ V}$ beschleunigt. Welche De-Broglie-Wellenlänge $\lambda$ besitzt das Elektron nach der Beschleunigung? (Verwenden Sie $h \approx 6{,}63 \cdot 10^{-34} \text{ Js}$, $m_e \approx 9{,}11 \cdot 10^{-31} \text{ kg}$, $e \approx 1{,}60 \cdot 10^{-19} \text{ C}$)
$0{,}12 \text{ nm}$
Die kinetische Energie ist $E_{kin} = e \cdot U = \frac{p^2}{2m_e}$. Daraus folgt der Impuls $p = \sqrt{2m_e e U}$. Die De-Broglie-Wellenlänge ist $\lambda = \frac{h}{p} = \frac{h}{\sqrt{2m_e e U}}$. Einsetzen der Werte ergibt $\lambda \approx 0{,}123 \text{ nm}$.