Heinrich Heine: Die Lorelei

Heinrich Heines "Die Lorelei" (1824) gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Gedichten überhaupt und ist zugleich ein idealer Einstieg in die Gedichtinterpretation: klar strukturiert, formal zugänglich und inhaltlich reich genug, um zentrale Analysekategorien exemplarisch zu üben. Diese Lektion arbeitet mit dem vollständigen Originaltext des Gedichts, der in jeder relevanten Frage strophenweise zitiert wird — die Analyse erfolgt also direkt am Text, ohne dass Vorwissen über das Gedicht vorausgesetzt wird.

Die acht Aufgaben führen strophenweise durch das Gedicht: vom Kreuzreim (ABAB) und der Naturkulisse der zweiten Strophe über die romantische Idealisierung der Loreley-Figur bis zur Funktion des Schiffers als Stellvertreter menschlicher Verführbarkeit. Die Wiederholung des Wortes "golden" wird als Verstärkungsmittel für die magische Anziehungskraft der Figur untersucht, und der Stimmungswechsel vom anfänglichen diffusen Unbehagen ("ich weiß nicht, was soll es bedeuten") zur abschließenden Erkenntnis der tödlichen Macht des Sagenmotivs wird nachvollzogen.

Das Gedicht ist seit 1994 gemeinfrei (Heine starb 1856), sodass der vollständige Text hier legal und dauerhaft zugänglich ist. Wer diese Lektion durcharbeitet, beherrscht die Grundwerkzeuge der Gedichtinterpretation — Reimschema, Metrum, Symbolik, lyrisches Ich —, die sich unmittelbar auf andere Gedichte und Balladen übertragen lassen, etwa auf Schillers "Der Handschuh" an anderer Stelle in dieser Sammlung.

  • Reimschema und Metrum eines Gedichts bestimmen
  • Naturbilder als Ausdruck romantischer Stimmung deuten
  • Wortwiederholungen als sprachliches Verstärkungsmittel analysieren
  • Die Funktion einer Figur (hier: der Schiffer) im Gedichtgeschehen erklären
  • Den Stimmungsverlauf eines Gedichts von Anfang bis Ende nachvollziehen

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, / Daß ich so traurig bin; / Ein Märchen aus alten Zeiten, / Das kommt mir nicht aus dem Sinn. [...] Und das hat mit ihrem Singen / Die Loreley getan. — Heinrich Heine, "Die Lorelei" (1824), vollständig zitiert.

Beispielfrage

Betrachte die erste Strophe: 'Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, / Daß ich so traurig bin; / Ein Märchen aus alten Zeiten, / Das kommt mir nicht aus dem Sinn.' Welches Reimschema liegt hier vor?

Antwort anzeigen

Kreuzreim

Die erste Strophe folgt dem Schema 'bedeuten' (a), 'bin' (b), 'Zeiten' (a), 'Sinn' (b). Dies entspricht einem Kreuzreim.

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