Gesundheit — Brief der Krankenkasse

Briefe von Krankenkassen und Behörden sind in Deutschland der Text, der am häufigsten falsch verstanden wird — nicht wegen schwieriger Wörter, sondern wegen der Struktur. Sie enthalten fast immer mehrere Fristen, die zu verschiedenen Dingen gehören, und sie sagen selten geradeheraus, was passiert, wenn man nichts tut.

Der Text dieses Materials ist ein solcher Brief: Eine Krankenkasse bestätigt den Eingang eines Antrags auf Befreiung von der Zuzahlung, kann aber noch nicht entscheiden, weil Unterlagen fehlen. Sie nennt, welche das sind, bis wann sie da sein müssen, auf welchen drei Wegen man sie einreichen kann, und was geschieht, wenn sie ausbleiben. Zum Schluss erklärt sie den Widerspruch — und stellt dabei ausdrücklich klar, dass dieser Brief selbst noch kein Bescheid ist.

Genau daran hängen die anspruchsvollsten der neun Fragen. Im Brief stehen drei Datumsangaben: das Datum des Antrags, die Frist für die Unterlagen und die Monatsfrist für den Widerspruch. Wer sie nicht auseinanderhält, verpasst entweder die eine oder die andere. Eine Schlussfolgerungsfrage prüft, ob man begriffen hat, dass der Widerspruch erst gegen den späteren Bescheid möglich ist, nicht gegen dieses Schreiben. Eine zweite verlangt einen Abgleich der Sprechzeiten mit einem konkreten Wochentag und einer Uhrzeit.

Zwei Wortschatzfragen behandeln die beiden Begriffe, ohne die man deutschen Behördenpost nicht folgen kann: „nachreichen“ und „Bescheid“. Beide werden nicht abstrakt abgefragt, sondern so, wie sie im Brief verwendet werden.

Jede Erklärung zitiert die Stelle im Brief, aus der die Antwort folgt. Acht Lernkarten sichern den Wortschatz: Zuzahlung, nachreichen, Bescheid, Widerspruch, Frist, Einkommensnachweis, Sachbearbeiterin — und die formelle Anrede mit dem passenden Schlussgruß.

Der Brief ist ein Original, für dieses Training geschrieben. Kasse, Personen und Daten sind erfunden; der Text bildet die Form eines solchen Schreibens nach, ist aber keine Auskunft über Leistungen oder Verfahren einer echten Krankenkasse.

  • Einen formellen Brief von Kasse oder Behörde nach Anliegen, Aufforderung und Frist gliedern
  • Mehrere Fristen in einem Schreiben dem jeweils richtigen Vorgang zuordnen
  • Erkennen, was passiert, wenn man auf eine Aufforderung nicht reagiert
  • Den Unterschied zwischen einem Zwischenschreiben und einem Bescheid verstehen
  • Die Begriffe nachreichen, Bescheid, Widerspruch und Frist sicher verwenden

Aus dem Brief: „Er ist bei uns eingegangen. Wir können ihn aber noch nicht entscheiden, weil Unterlagen fehlen.“ — „Ohne diese Unterlagen müssen wir den Antrag ablehnen. Wir bitten Sie deshalb, sie bis zum 28. Februar einzureichen.“ — „Wenn Sie mit unserer späteren Entscheidung nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids schriftlich Widerspruch einlegen. Dieser Brief ist noch kein Bescheid.“

Beispielfrage

Lesen Sie diesen Brief einer Krankenkasse und beantworten Sie dann die Frage. Krankenkasse Kirchfeld-Nord · Servicecenter Frau Amina Sarr, Ahornweg 12, 44145 Kirchfeld Betreff: Ihr Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung Sehr geehrte Frau Sarr, vielen Dank für Ihren Antrag vom 3. Januar. Er ist bei uns eingegangen. Wir können ihn aber noch nicht entscheiden, weil Unterlagen fehlen. Bitte reichen Sie nach: — die Einkommensnachweise aller Personen, die mit Ihnen in einem Haushalt leben, — die Quittungen über die Zuzahlungen, die Sie in diesem Jahr schon geleistet haben. Ohne diese Unterlagen müssen wir den Antrag ablehnen. Wir bitten Sie deshalb, sie bis zum 28. Februar einzureichen. Sie können die Unterlagen im Servicecenter abgeben, per Post schicken oder in Ihrem Online-Konto hochladen. Wenn Sie mit unserer späteren Entscheidung nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids schriftlich Widerspruch einlegen. Dieser Brief ist noch kein Bescheid. Für Rückfragen erreichen Sie uns montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr. Mit freundlichen Grüßen S. Weber, Sachbearbeiterin — Warum schreibt die Krankenkasse diesen Brief?

Antwort anzeigen

Sie braucht noch Unterlagen, bevor sie entscheiden kann.

Im Brief steht: „Er ist bei uns eingegangen. Wir können ihn aber noch nicht entscheiden, weil Unterlagen fehlen.“ Die Kasse lehnt also nichts ab und bestätigt auch nichts — sie fordert etwas nach. Der Brief sagt sogar ausdrücklich: „Dieser Brief ist noch kein Bescheid.“

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