Die Goldenen Zwanziger — Kultur und Gesellschaft

Diese Lektion widmet sich den "Goldenen Zwanzigern" — der kurzen Phase relativer wirtschaftlicher Stabilisierung und kultureller Blüte in der Weimarer Republik zwischen der Währungsreform 1924 und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. Im Zentrum steht die Neue Sachlichkeit als künstlerische Strömung, die sich bewusst gegen den emotionalen Überschwang des Expressionismus wandte und eine nüchterne, gesellschaftskritische Darstellung der Realität forderte. Behandelt wird zudem das Bauhaus unter Walter Gropius, das 1919 mit dem Ziel gegründet wurde, Kunst, Handwerk und Architektur unter einem funktionalen Gestaltungsprinzip zu vereinen und damit die Designgeschichte des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte. Der deutsche expressionistische Film — allen voran "Das Cabinet des Dr. Caligari" — wird als international einflussreiches kulturelles Phänomen eingeordnet. Die Lektion beleuchtet ferner den gesellschaftlichen Wandel in den deutschen Großstädten: die zunehmende Emanzipation der Frau, die aufkommende Massenkultur und das Konzept der "Amerikanisierung" — der wachsende kulturelle und wirtschaftliche Einfluss US-amerikanischer Konsum- und Lebensstile auf die deutsche Gesellschaft. Gleichzeitig macht die Lektion deutlich, dass diese kulturelle Liberalisierung vor allem urbane, intellektuelle und jüngere Bevölkerungsschichten erreichte, während die relative wirtschaftliche Stabilisierung selbst maßgeblich auf ausländischen Krediten im Rahmen des Dawes-Plans beruhte — eine Fragilität, die mit dem New Yorker Börsenkrach 1929 abrupt endete.

  • Die Neue Sachlichkeit als künstlerische Gegenbewegung zum Expressionismus einordnen können
  • Die Ziele und die Bedeutung des Bauhauses für die Designgeschichte erklären können
  • Den deutschen expressionistischen Film als kulturelles Phänomen der 1920er Jahre beschreiben können
  • Den gesellschaftlichen Wandel in den Großstädten der Weimarer Republik analysieren können
  • Die Fragilität der wirtschaftlichen Stabilisierungsphase 1924–1929 erklären können

Walter Gropius gründete das Bauhaus 1919 mit dem programmatischen Ziel, Kunst und Handwerk unter dem gemeinsamen Dach der Architektur zu vereinen — eine Idee, die Funktionalität über dekorativen Ornamentschmuck stellte und die moderne Architektur- und Designgeschichte weit über Deutschland hinaus prägte.

Beispielfrage

Welche künstlerische Strömung der Weimarer Republik wandte sich explizit gegen den emotionalen Überschwang des Expressionismus und forderte eine nüchterne, sachliche Darstellung der Realität?

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Neue Sachlichkeit

Die Neue Sachlichkeit entstand als Gegenbewegung zum Expressionismus und betonte eine distanzierte, präzise Beobachtung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

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